Der
Diplomfilm „Tele-Dialog“ beschäftigt sich mit der Sprache
„einfach gestrickter“ Fernsehsendungen. Die Tonebene des Videos
setzt sich aus Phrasen und Floskeln aus dem Fernsehen zusammensetzt, welche
zu einer neuen Gesprächs-Collage montiert wurden. Dabei geht es nicht
um einen konkreten Inhalt, sondern um den emotionalen Ausdruck, um starke
Gefühle.
„Tele-Dialog“ ist ein schwarz-weiss-gestrickter Trickfilm,
der Bild für Bild mittels einer Strickmaschine (Brother KR 850) gefertigt
wurde. Anschließend wurden die über 800 Einzelbilder gebügelt,
gestärkt, aufgespannt, digital abfotografiert und am Computer zum
Video zusammengesetzt.
Zu sehen ist ein Fernsehgerät, in welchem sich zwei schemenhafte
Figuren streiten. Nach und nach entfernt sich die Kamera vom Monitor und
zwei FernsehzuschauerInnen werden sichtbar. Mit der Zeit passen die Beiden
ihre Gestik dem Fernsehgespräch an, sie verstricken sich in die Fernseh-Realtität.
Als BetrachterInnen des Videos schlüpfen wir in eine besondere Rolle:
wir betrachten das Betrachten, werden zu "Beobachtern zweiter Ordnung".
Unser Bedürfnis nach Fernsehen ist Ausdruck unserer Lebenseinstellung
und unseres Verhältnisses zur Welt - diese wiederum wird umstrukturiert
und beeinflusst durch das Fernsehen.
Das Video „Tele-Dialog“ ist eine Weiterführung von Themen,
die mich schon seit längerem beschäftigen, dazu zähle ich
das sprachliche Interesse, das Thema Fernsehen, sowie die Kombination
von tradtionellen Techniken mit neueren Medien. |
| „Tele-Dialog“
verbindet mehrere Schwerpunkte, die ich schon seit längerem verfolge.
Das Video verbindet mein Interesse an Sprache, an den Eigenschaften des
Fernsehens, sowie an textilen Techniken.
Der Diplomfilm „Tele-Dialog“ ist ein schwarz-weiß-gestrickter
Animationsfilm, der Bild für Bild mittels einer Strickmaschine (Brother
KR 850) gefertigt wurde. Jedes Einzelbild besteht aus 40 Maschen in der
Breite und 30 Reihen in der Höhe und entspricht somit dem 4:3-Seitenverhältnis,
welches üblicherweise im Fernsehen verwendet wird.
Die über 800 gestrickten Einzelbilder wurden gebügelt, gestärkt,
aufgespannt, digital abfotografiert und am Computer zu einem 5:10-minütigen
Video zusammengesetzt.
„Tele-Dialog“ beschäftigt sich mit der Sprache „einfach
gestrickter“ Fernsehsendungen. Die Tonebene des Videos setzt sich
aus Phrasen und Floskeln aus dem Fernsehen zusammensetzt, welche zu einer
neuen Gesprächs-Collage montiert wurden. Dabei geht es nicht um einen
konkreten Inhalt, sondern um den emotionalen Ausdruck, um starke Gefühle.
Der Ton stammt aus Nachmittags- und Vorabend-Unterhaltungssendungen (unter
anderem aus Daily Soaps, Talk Shows, Richter-Sendungen, Ermittler-Formaten)
diverser deutschsprachiger Sender.Zu sehen ist ein Fernsehgerät,
in welchem sich zwei schemenhafte Figuren streiten. Im weiteren Verlauf
des Videos entfernt sich die Kamera immer weiter vom Monitor, die Umgebung
- eine Wohnsituation - und zwei Personen werden sichtbar, die das Geschehen
im Fernseher beobachten. Mit der Zeit passen die Beiden ihre Gestik dem
Gespräch im Fernsehen an, sie verstricken sich in die Fernseh-Realität.
Das TV-Gerät tritt immer weiter in den Hintergrund, bis nur mehr
die beiden „realen“ Personen zu sehen sind, die aber weiterhin
zur Fernseh-Gesprächs-Collage agieren, welche sich TV-typisch zu
einem Happy-End hin entwickelt.
Meine Diplomarbeit ergab sich unter anderem aus meiner Sammel-Leidenschaft
für Phrasen und Floskeln, die ich aus verschiedensten Fernsehsendungen
extrahiert habe, um sie anschließend zu kleinen Geschichten zusammenzusetzen.
Bei „Tele-Dialog“ handelt es sich aber um keine wirkliche
Erzählung, da die beiden HauptdarstellerInnen bei ihrem exzessiven
Streitgespräch viel mehr als „Phrasendrescher“ denn als
argumentativ Kommunizierende agieren.
Durch die Vermischung der Sätze aus den unterschiedlichen Sendungen
führt das Video „Tele-Dialog“ jenen Effekt weiter, der
beim Fernsehen durch Zapping entstehen kann. Sätze aus den unterschiedlichsten
Zusammenhängen können losgelöst vom ursprünglichen
Kontext plötzlich durchaus zusammenpassen.
Wie bei TED-Umfragen können FernsehzuschauerInnen bislang prinzipiell
nur mit Ja oder Nein auf das TV-Angebot reagieren, indem sie sich mittels
Fernbedienung für oder gegen eine Sendung entscheiden und unter Umständen
den Kanal wechseln. Dies spiegelt sich auf der Tonebene bei „Tele-Dialog“
wieder. Auch das Phänomen, dass im Fernsehen mehr und mehr die Konfrontation
von Personen statt der Konfrontierung ihrer Argumente inszeniert wird,
versucht das Video zu verdeutlichen.
Die Furcht vor und der Wunsch nach Außergewöhnlichem bescheren
uns Fernsehsendungen, die einerseits die schlimmsten vorstellbaren zwischenmenschlichen
Konflikte zum Thema haben und andererseits immer einen erlösenden
Schluss bieten, der den Konsens wieder herstellt, der die Zuschauerinnen
wieder in ihre sichere und vertraute Welt entläßt.
Unser Bedürfnis nach Fernsehen ist Ausdruck unserer Lebenseinstellung
und unseres Verhältnisses zur Welt - dieses wiederum wird umstrukturiert
und beeinflusst durch das Fernsehen.
Raymond Williams weist darauf hin, dass das Fernsehen als Medium sozialer
Kommunikation eine derartige Machtposition erlangt habe, dass es viele
unserer Institutionen und sozialen Beziehungen verändere. Des Weiteren
würde es als elektronisches Medium unsere „grundlegende Wahrnehmung
von Realtität und insofern auch unsere Beziehungen untereinander
und mit der Welt“ verändern.
Neil Postman hat den Gedanken der Inszenierung von Realität nach
dem Vorbild der Medienwelt folgendermaßen formuliert:
Das Fernsehen ist für unsere Kultur zur wichtigsten Form der
Selbstverständigung geworden. Deshalb - das ist der entscheidende
Punkt - wird die Art wie das Fernsehen die Welt in Szene setzt, zum Modell
dafür, wie die Welt recht eigentlich aussehen sollte. Es geht nicht
bloß darum, dass das Entertainment auf dem Bildschirm zur Metapher
jeglichen Diskurses wird. Es geht darum, dass diese Metapher auch jenseits
des Bildschirms dominiert. Wo früher Buchdruck den Stil im Umgang
mit Politik, Religion, Wirtschaft, Bildung, Recht und anderen wichtigen
Angelegenheiten der Gesellschaft vorschrieb, gebietet heute das Fernsehen.
Als BetrachterInnen des Videos „Tele-Dialog“ schlüpfen
wir in eine besondere Rolle: Wir betrachten das Betrachten, werden zu
Beobachtern zweiter Ordnung und können vielleicht durch den Abstand
einen anderen Blick auf unsere Fernsehgewohnheiten werfen. |
HERZLICHEN
DANK!
Armin und Maria Schubert-Kastner
Albert Waaijenberg
Margit Nobis
Bettina Steinmaurer
Kunstuniversität Linz, Experimentelle Visuelle Gestaltung:
Andrea Van der Straeten
Matthias Klos
Robert Pfaller
Herbert Lachmayr
Peter Skokan
Caritas für Menschen mit Behinderungen, St. Elisabeth, Linz:
Wolfgang Scheidl, Silvia Roider, Helga Zauner,
Christine Mitterhuber, Klaudia Finkenzeller, Janja Lozancic,
Erika Brandstetter, Eva Pointinger, Heidi Harringer,
Katharina Küllinger, Nathalie Seckl und Sabine Hummer
O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz:
Genoveva Rückert
Georg Seyfried
Rainer Jessl
|